Wie deutsch bin ich? Der ultimative Selbsttest

Was hätte ich mir an jahrelangen Identitätskrisen nur sparen können, hätte ich schon damals einen Test belegen können, der mir sagt, wie deutsch ich eigentlich wirklich bin. Jetzt ist es soweit: ein überaus seriöser und ganz und gar nicht übetriebener Test untersucht nämlich genau das. Kriterien: meine Einstellung zu Recycling, zu Rauchern in Nichtraucherkneipen, zu Apfelsaftschorle und Klugscheißertum.

Erstens: ich habe was gegen nicht schäumende Apfelsaftschorle. Ich mag sie schön schaumig, mit prickelndem Weiß als Oberhaut und ich mag es, wenn im Glas kleine Bläschen von unten nach oben steigen. Ich mag sie kalt, frisch, und am liebsten mag ich Apfelsaftschorle, wenn sie nach Radler schmeckt.

Ich habe einen Doktor in Englisch. Nur meine Bescheidenheit hindert mich daran, es jedem unter die Nase zu reiben, der nicht einmal ansatzweise an Titeln interessiert ist. Wenn mich also jemand fragt, ob ich Englisch spreche, sage ich „a little bit“ um den anderen nicht bloßzustellen. Könnte ja sein, dass ich noch einen Grammatikfehler aus der 7. Klasse nicht korrigiert habe und mit mir herumtrage wie einen jahrelang verschleppten Husten.

Ich mag Ordnung. Unordnung macht mich wuschig. Ich mag einheitliche Schriftgröße, Farbe, Ansatz und Format. Ich mag Unterpunkte wie a), b) und c) und Menschen, die meinen Ordnungssinn haben, sind mir besonders sympathisch. Ich bin auch von einer Universallogik überzeugt. Meinungen anderer Menschen, die nicht mit meinen konform gehen, sind daher in sich widersprüchlich und unlogisch.

Ich hyperventiliere, wenn andere nicht ordnungsgemäß recyclen. Wenn ich mir unsicher bin, in welche Tonne ein Stück Stoff oder benetztes Papier gehört, schlage ich bei Google nach. Es ist mir egal, dass der ganze Müll später noch einmal in dieselbe Tonne kommt und noch einmal aussortiert wird. Recycling gibt mir das Gefühl, dass die Welt in Ordnung ist und ich zu dieser Ordnung beitragen kann, siehe meine Sensibilität für Ordnungssinn.

Ich habe was gegen Raucher in Nichtraucherkneipen. Vielleicht habe ich mich zu undeutlich ausgedrückt: Rauchen in Nichtraucherkneipen sehe ich als offenen Angriff auf meine nackte Existenz. Raucher haben gelbe Finger und dass sie kleine Kinder essen, ist bekannt.

Ich bin eine rechthaberische Klugscheißerin. Wenn ich andere in ihrem gefährlichem Halbwissen erwische, mache ich Affront mit Wissen, dass ich mir selbstverständlich aus seriösen Quellen wie BILD, Wikipedia oder „Frau im Spiegel“ angeignet habe.

GermanTestDer Test, den ich nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt habe, belegt, dass ich zu 80% deutsch bin, also im Durchschnitt über 16% deutscher (gibt es dieses Wort überhaupt?) als der durschnittliche Alltagsdeutsche. Ich bin so deutsch wie das Pfand, die Apfelsaftschorle und Menschen, die andere Menschen wegen geringer Vergehen am liebsten lynchen würden. Ich würde sagen, meine Integration ist gelungen. 🙂

http://www.thegermanquiz.com/

 

 

Über akrizano

Ein Stückwerk aus kroatischen Eltern, bosnischen Wurzeln und schwäbischen Spätzla, weit gereiste und unerschrockene Geschichtenerzählerin
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3 Antworten auf Wie deutsch bin ich? Der ultimative Selbsttest

  1. tempeltänzer sagt:

    Was für ein Zufall. Du wirst nicht glauben Akrizano was ich heute gekauft habe, ja, das Buch ‚Wie man Deutscher wird‘ und wenn man es umdreht ‚How to be German‘. Gelesen habe ich es noch nicht, nicht einmal geblättert habe ich in das Buch aber lesen werde ich es zwischendurch wenn ich an einigen anderen Bücher zwischendurch ein paar Blätter gelesen habe.

    Ohne den Online Test weiß ich amtlich, dass ich ein ordentlich eingebürgerter Deutscher nach bayerischen Standards bin. Denn nach Herz und Nieren haben sie meinen Geisteszustand auch gründlich untersucht und bescheinigt, dass ich nicht nur körperlich sondern auch sonst noch tauglich bin ein Deutscher zu sein. Nun bin ich Deutscher der Derinder heißt und dementsprechend behandelt wird. 😉

    Es war ein Genuss deinen Testbericht zu lesen, einfach köstlich. Schreibe weiter solche amüsante Geschichten dann werde ich ein Akrizanofan.

    Hier noch Details über das Buch:
    Wie man Deutscher wird in 50 einfachen Schritten / How to be German in 50 easy steps von Adam Fletcher, Robert M. Schöne und Ingo Herzke (12. Juli 2013)

    Bestseller Nr. 1 in Deutsch als Fremdsprache

    Frühstücke ausgiebig, buche alle deine Urlaube Jahre im Voraus, zieh dir was Vernünftiges an und gehorche dem roten Ampelmann! Wie man Deutscher wird erklärt all die kleinen Absurditäten, die das Leben in Deutschland so herrlich machen. Das Buch ist Pflichtlektüre für little foreigners wie für all diejenigen Deutschen, die ihr eigenes Land immer noch nicht so ganz verstanden haben. Wir lernen, warum die Deutschen so frei über Sex sprechen, warum sie so sehr von Spiegel Online besessen sind und warum sie alle davon träumen, nackt in einem See aus Apfelsaftschorle zu schwimmen. Am Ende von Adam Fletchers Liebesbrief an Deutschland bleibt nur noch zu sagen: „Alles klar!“

    Die gedruckte Ausgabe ist als zweisprachiges Wendebuch erschienen.

    – Breakfast lavishly, pre-book all your holidays years in advance, dress sensibly and obey the red man! How to be German presents all the little absurdities that make living in Germany such a pleasure. It’s required reading for all Ausländer and for Germans who sometimes have the feeling they don’t understand their own country. We learn why the Germans speak so freely about sex, why they are so obsessed with Spiegel Online and why they all dream of being naked in a lake of Apfelsaftschorle. At the end, the only thing left to say to Adam Fletcher’s love letter to Germany is „Alles klar!“ The printed edition has been published as a bilingual turn-around book.

    • tempeltänzer sagt:

      well, here is tempeltänzer again. Meanwhile after commenting few minutes ago, something compelled me to do the rest and see the result below. I am fully depressed and kaputt ;-(

      Now I am neither Indian nor German may be Indogerman !?!

      ——-
      25/40
      Schade, you only scored 25/40 pts, or 62%. You’re officially 2% less German than the average.

      You’ve much work to do, cultural misfit. Kipp all your windows, pour yourself a schorle, practice your klugscheissing and there might still be some hope for you yet.

      —–

      Schade, I’m only 62% German, according to the very lustig “how German am I” test from Hipstery.com. Below the average of 64%. See if you can beat my score, Nachmacher.

    • akrizano sagt:

      Ich sehe schon, lieber Suresh, das Buch gehört DRINGEND in unsere Bücherkiste! (Im Übrigen gibt es keine Zufälle auf dieser Welt…) Ich habe diesen albernen Test gemacht, weil er auf Facebook die Runde gemacht hat und fand es zum Schreien komisch, dass man Deutsch sein in 10 skurile Fragen gepresst hat…

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