Unsere Zeit, ein wertvolles Gut

Ja, die Zeit, es ist so etwas mit ihr. Sie verrinnt jeden Tag ein wenig mehr. Denkt man darüber nach, dass die Zeit für uns Menschen nicht unendlich ist, dass wir nicht wissen, wieviel Zeit uns noch bleibt von unserem Leben, dann wird sie plötzlich wieder sehr bedeutsam für uns. Auch wenn wir manchmal im täglichen Geschehen sehr unachtsam mit unserer Zeit umgehen. Ja, das besondere ist, keiner, weder jung noch alt, weiß genau, wie viele von diesem wertvollen Gut Zeit er generell, auch ohne Corona Viren, noch hat. Es ist also an der Zeit auch einmal inne zu halten.

Als Kind nimmt man jedes neue Erlebnis, insbesondere aber die positiven Ereignisse noch ganz bewusst wahr. Die meisten Menschen, mögen sie noch so betagt sein, sie können sich meist sehr gut an besondere Einzelheiten aus ihrer Kinder- und Jugendzeit erinnern. Durch Stress und Hektik, immer wiederkehrende Routinen und hoher Arbeitsbelastung, bleiben uns zu gewissen Zeiten dann viel zu wenige Erinnerungen im Gedächtnis, weil wir uns oft nicht die Zeit nehmen, diese Ereignisse richtig zu würdigen.

Manches kommt uns heute sehr kostbar vor, was wir vor langer Zeit zwar als besonders, aufregend oder auch schmerzhaft empfunden haben, was aber vielleicht heute, aus jetziger Sicht, für uns besser zu verstehen ist, aber eventuell leider auch nicht mehr vorhanden ist, oder zu ändern ist. Wir haben mit bzw. in dieser Zeit vielleicht auch Menschen verloren, die wir geliebt haben, Freundschaften haben sich verändert, neu aufgebaut oder andere sind im Sande verlaufen. Berufliche Ziele und Perspektiven ändern sich im Zeitablauf stetig. Träume sind zerplatzt, neue sind entstanden, manche wurden realisiert.

Auch der Blickwinkel auf manche Begebenheiten hat sich mit der Zeit unter Umständen geändert, oder sich vervollständigt. Hat man selber Kinder und Enkelkinder, empfindet man z.B. viele Dinge ganz anders, auch die Dinge, die man vielleicht sogar an den eigenen Eltern kritisiert hat oder zu kleinkariert fand und selber übernommen hat. Ich freue mich heute noch mehr über gemeinsame Zeiten miteinander und kenne auch die Situationen in der die Zeit, mit damals kleinen Kindern, meist nie reichte.

Es gab weder genügend Zeit für den eigenen Schlaf, für eigene Bedürfnisse, noch immer genügend Zeit um alles richtig unter einen Hut zu bringen, wie z.B. genügend Zeit für die Familie, den Beruf, die Karriere, für gute Freunde, die eigenen Eltern und und und zu haben. Dennoch war diese Zeit wertvoll und ich möchte sie nicht missen. Fast ein jeder von uns hat schon Zeiten der Trauer und Zeiten der Freude erlebt, mit allen den dazugehörigen Höhen und Tiefen. Wertvoll auch die Zeit mit Geschwistern und Eltern. Wo ist diese Zeit nur geblieben, wie schnell ist diese Zeit verronnen.

Es gab ganz besondere Erinnerungen, die Geburt der eigenen Kinder, sie aufwachsen zu sehen, dankbar zu sein, das sie gesund sind, sie ihren Weg gemacht haben gute Ehe- oder Lebenspartner haben, und dann die Geburt der Enkelkinder, das ist noch einmal die Kür, zu sehen wie lieb und lustig, wie klein, niedlich und schutzbedürftig sie sind. Oder wie gut sie heranwachsen. Ich bin dankbar für diese gesamte Zeitspanne. Besonders wertvoll die Zeit auch, die unsere Kinder mit ihren Großeltern hatten, wie sie an ihnen gehangen haben. Auch die Zeit, die wir mit unseren eigenen Eltern noch haben oder hatten. Die Erinnerungen daran sind sehr wertvoll und diese Zeit mit unserer Familie hat uns als Menschen geprägt und sie prägt uns auch weiterhin.

Jetzt hat sich die Zeit noch einmal neu definiert, seitdem das Corona Virus hinweg über unsere Welt gefegt ist. Ich denke an die Menschen, die sehr krank sind, aber auch an die Menschen, die wirtschaftlich sehr stark betroffen sind durch die politisch getroffenen Maßnahmen zur Pandemie. Ich denke an Menschen, die sich in den Altenheimen befinden und sehr traurig sind, dass niemand sie besuchen darf.

Es hat mich berührt als mein Vater zu mir sagte, er würde jeden Abend daran denken, wie schön seine Spaziergänge durch wunderbare Wege an seinem Haus, dem Brookweg, gewesen seien und, dass er nachts im Traum dort immer wieder spazieren gehen würde, da dies ja im Moment für ihn im Seniorenstift nicht möglich sei.

Ich denke an meine Enkelkinder, die sich wundern, warum ich sie nicht besuche. Meine Enkelin Emma mit ihren drei Jahren sagte neulich: „Oma, es ist doch hell, du kannst doch kommen und mich besuchen“. Mein Enkel Julian mit seinen zwei Jahren schickt mir und seinem Opa Grüße übers Internet bzw. Handy zusammen mit seinem Vater und das jüngste Enkelkind Sophie strampelt genüsslich vor sich hin und ignoriert das Virus einfach.

Ja, sie und ihre Familien und unsere ganze große Familie mit allen Verwandten und Freunden fehlen uns sehr. Wir nützen mit allen zusammen zwar die modernen Kommunikationswege, bekommen oft liebe Video-Botschaften, das aber ersetzt nicht die zusammen geplante Reise, den Familienbesuch, den Besuch von Freunden und Bekannten, Nachbarn, den Besuch im Zoo oder der Gastronomie und vieles mehr.

Die Nachricht eines Zoos hat mich ebenfalls berührt, als gesagt wurde, die Tiere würden auf die Menschen warten. Ja, wir vermissen die Tiere auch.

Es freut mich, dass so viele junge Menschen, Nachbarn oder Freunde anderen helfen und sich sozial engagieren. Es freut mich, dass die Natur sich etwas erholen kann und darüber nachgedacht wird, dass die Schöpfungskette einen Sinn hat, dass wenn man etwas zerstört in dieser Kette, Viren sich besser ausbreiten können und zusätzlich auch genügend andere Probleme entstehen. Es freut mich, dass wir Menschen, obwohl weiter auseinander, geistig wieder enger zusammenrücken.

Ich denke an die vielen Firmen und Selbständige, die krampfhaft versuchen über Wasser zu bleiben und die Arbeitsplätze und ihre Firmen zu erhalten. An Banken, die oft so verteufelt werden, jetzt aber hinter vielen ihren Firmen und anderen Kunden stehen. Ich denke auch an alle Menschen im Gesundheits- und Dienstleistungsgewerbe, die die Lieferketten stabil halten und/oder Schutzkleidung für Ärzte und Krankenhäuser besorgen. Ja, an viele viele Menschen, die sich jetzt engagieren und hier gar nicht von mir genannt werden. Auch an so einige Politiker, Berater, Ärzte und Virologen, die jetzt vernünftig handeln. Auch an meine wunderbare Schreibgruppe und unsere lieben Nachbarn. Es ist an der Zeit Inne zu halten.

Eines weiß ich genau, es wird die Zeit vor Corona, die Zeit mit Corona und, da bin ich zuversichtlich, die Zeit nach Corona geben. In der Zeit nach Corona muss eine Neubewertung vieler Prozesse, Werte und Dinge erfolgen. Ich hoffe darauf, dass dies geschieht, werde mich aber auch selber aktiv daran beteiligen. Ich weiß, die Zeit wird dann eine andere sein, völlig anders betrachtet werden. Einen traurigen Abschnitt in unseren Geschichtsbüchern wird die Corona Zeit auf jeden Fall bekommen.

Ich zumindest werde die Zeit mit Euch allen, das steht jetzt schon fest, nach Corona noch viel mehr genießen und die Zeit mit Euch als noch wertvoller empfinden. Ich wünsche Euch bis dahin eine gute gesunde Zeit, in der Ihr vielleicht genau wie ich Eure Gedanken und Prioritäten noch einmal neu ordnen oder überdenken könnt und auch neue Chancen wahrnehmen könnt. Seid gegrüßt, ich rufe Euch zu: „Ich freue mich auf die Zeit mit Euch nach Corona, vor allem aber auf ein persönliches Wiedersehen.“

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