Regina

 

Manche gehen zum Friseur und lassen sich die Haare kurz schneiden oder färben, wenn sie in einer Krise sind. Das machen vor allem Frauen. Andere betrinken sich, das machen vor allem Männer. Wieder andere legen ein Gelübde ab, irgendetwas nie wieder zu tun oder ab sofort etwas immer zu tun, das machen meist auch wieder Frauen. Wieder andere geben sich einen  neuen Namen. Das machen sowohl Frauen als auch Männer. Dass man sich selbst einen neuen Namen geben kann, erfuhr ich erst mit 33 Jahren. Bis dahin hatte ich meinen Namen für unabänderlich gehalten. Als Kind hätte ich lieber Doris geheißen,  so  wie meine jüngste Tante. Dieser Name war normal, unauffällig, sympathisch. Regina dagegen machte mich zu etwas Besonderem. Die Einen fragten nach der Bedeutung meines Namens, der in den fünfziger Jahren noch nicht so bekannt war, die Anderen, das waren die, welche in der Schule Latein gelernt hatten, erklärten ihn mir, ohne dass ich sie je darum gebeten hätte. Mein Hausarzt beispielsweise erklärte mir bei jedem Besuch, wenn ich schüchtern neben meiner Mutter stand: Regina heißt Königin. Dies genierte mich jedes Mal, denn ich fühlte mich eher als Aschenputtel und fühlte mich durch seine aufmunternde Erklärung eher darauf hingewiesen, dem Anspruch meines Namens nicht gerecht zu werden. Auch verzichtete er selten auf die Pointe seiner  Standarddiagnose: Regina hat Angina. Als ich mir mit Mitte zwanzig auf seinen Rat hin die Mandeln entfernen ließ, hatte zwar dieser Witz ausgedient, aber mit meinem Namen musste ich dennoch leben. Wie meine Eltern darauf gekommen waren, gerade mir diesen anspruchsvollen Namen zu geben, ist mir bis heute schleierhaft. Hätten sie ihre Söhne Patrick und Rex genannt, wäre mir dies schlüssiger erschienen.

Mir gefiel mein Name nicht nur wegen seiner Bedeutung nicht. Dass damit auch Maria als Himmelskönigin bezeichnet wurde, wusste ich damals noch nicht. Ich empfand seinen Klang als sehr hart. Schon das R am Anfang erinnerte mich an das Klingeln der in den achtziger Jahren noch üblichen mechanischen Wecker.  Den ungeliebten Reibelaut am Anfang meines Namens stellte ich jedenfalls eines Sonntagabends im August 1983 auf der Bühne des Theater of all Possibilities als einen Grund dar, weshalb ich meinen Namen geändert hatte. In dieser Theatergruppe hießen die Leute Sprint, Cyclone, Chubasco oder Chutney und zwar nicht, weil ihre Eltern sie so genannt hatten, sondern  weil sie sich durch ihre Namen  daran erinnern wollten, nicht träge zu werden im Fall Sprint oder die Ruhe zu bewahren, wenn es drunter und drüber ging im Fall Cyclone. Weshalb sich Chubasco und Chutney  nach ihren Lieblingsdelikatessen nannten, weiß ich nicht mehr.

Auslöser für meine Namensänderung waren jedenfalls zwei Ohrfeigen, die mir Honey verpasste. Honey war die Leiterin der Theatergruppe und Freundin des Chefs des gesamten Unternehmens, also deutlich mächtiger als ich. Dies bedachte ich nicht, als ich mit ihr  improvisierte. Wir hatten die Aufgabe, eine Szene zu entwickeln zu dem Thema: Wer ist der größte Lügner im Raum? Sie hatte mich gewählt. Ich hatte die Aufgabe nicht richtig verstanden und stand deswegen etwas dumm rum. Sie stieß mich in die Kniekehlen, zog mir am Ohr, stieß mich weg. Aha, dachte ich, sie versucht mich aus dem Gleichgewicht zu bringen. Interessantes Spiel, probier‘ ich doch auch mal. Nach wenigen Interventionen meinerseits sagte sie „stopp!“ Nun fing die Sache gerade an, mir Freude zu machen und ich verspürte keine Lust, mit diesem Spiel aufzuhören. Plötzlich bekam ich eine Ohrfeige, die mich auf den Boden warf. Erstaunt über diese Attacke richtete ich mich auf. Bevor ich ganz zum Stehen gekommen war, streckte mich schon die nächste Ohrfeige nieder, was umso erstaunlicher war, als Honey einen Kopf kleiner war als ich. Woher nimmt die bloß diese Kraft?, fragte ich mich. Wenn ich jetzt nicht zurückschlage, macht die den ganzen Tag so weiter, war mein Gedanke, als ich mich zum zweiten Mal  aufrichtete.  Ich holte also zu einem kräftigen Schlag aus. An ihrem Geheul merkte ich, dass ich sie getroffen hatte, was mich erstaunte, denn ich hatte nicht gesehen, wo sie gestanden hatte. Sofort brach in der Gruppe eine große Aufregung aus. John, wie gesagt, der Chef und ihr Partner, wies uns wie zwei ungezogene Schülerinnen aus dem Raum. „Du bist gefährlich“, sagten zwei Männer zu mir, die ich bis zu diesem Augenblick zu meinen Freunden gerechnet hatte. „Sie hat mich zuerst zwei Mal geschlagen, dann habe ich einmal zurückgeschlagen, worauf sie wie ein kleines Mädchen geheult hat“, stellte ich die Sache richtig. „Wir haben alles gesehen“, sagten sie. Aber das klang nicht so, als würden sie Ursache und Folge in gleicher Weise sehen wie ich. Ich lag auf dem Bett in meinem Zimmer und weinte den ganzen Nachmittag. Als ich mal in die Küche ging, um mir Wasser zu holen, traf ich auf John, den Boss. Er nahm mich in die Arme, presste seinen Bauch gegen mich und tätschelte mir den Po. Dies war der zweite Übergriff an diesem Tag. Ich konnte es noch nie leiden, von älteren Männern, und John war mindestens zwanzig Jahre älter als ich, angegrapscht zu werden. Ihm auf die Finger zu klopfen, konnte ich mir in dieser Situation nicht erlauben. Übergriffe schienen das Privileg der Führungscrew zu sein.

Es war Sonntagabend und somit Zeit für die Reden. Sonntags  konnten alle, die eine Rede zu einem Thema halten wollten, das sie bewegte, dies tun. Die gesamte Gruppe versammelte sich nach dem Abendessen im Theatersaal.  Ich war die Dritte, die sich einen Namen gab. Vor mir hatte Mel gesprochen, der amerikanische Masseur, der hier auf der Durchreise zum nächsten Workshop zwei Wochen Urlaub eingelegt hatte. Er kehrte zu seinem alten jüdischen Namen Mordechai zurück, den er immer abgelehnt hatte, weil er ihn zu einem Außenseiter gemacht hätte. Ich rang um Fassung und stieg auf die Bühne. „Ich erlebte heute einen großen Schock“, begann ich. „Und ich merkte, dass es mir an zwei Dingen mangelt, an Klarheit und an Mut. Deswegen brauche ich einen neuen Namen, der mich an diese beiden Eigenschaften erinnert. Regina mochte ich noch nie. Er beginnt wie das Klingeln des Weckers am Morgen und schon hat man schlechte Laune, weil man aus seinen Träumen geweckt wird. Also weg damit. Klar heißt auf französisch „claire“ und ist glücklicherweise auch ein weiblicher Vorname. Mut heißt auf französisch „courage“. Ab heute nenne ich mich also Claire Courage!“ Verhaltener Beifall. Mein Mut hatte nicht soweit gereicht, die Schlägerei mit Honey aus meiner Sicht öffentlich darzustellen.  Den ganzen Nachmittag hatte sich keiner der Jungs blicken lassen, mit denen ich sonst manche Stunden verbracht hatte. Dies verhieß nichts Gutes. Die Einen hatten sich gleich auf die Seite von Honey   geschlagen, andere machten sich unsichtbar. Dabei hatten sie abends so gern große Töne gespuckt und Honeys Schauspielkunst  in deren Abwesenheit in Grund und Boden kritisiert. Von den Geistesheroen war keiner zu sehen, als ich den Saal verließ. Nur Mordechai tauchte auf. Er legte den Arm um mich und fragte: „Do you want to fuck with me?“. „No“, sagte ich. „It’s okay“,  antwortete er und nahm mich in seine starken Masseursarme. Ich legte meinen Kopf auf seine Schulter und genoss ein bisschen männlichen  Schutz. „Did you ever had a better friend than me?“, fragte er. “No”, log ich, um so viel Zugewandtheit nicht zu gefährden. Dass ich in dieser Gruppe nicht lange bleiben würde, war beschlossene Sache.

Zurück in der Alternativszene meiner schwäbischen Heimat wurde mir mein selbst gewählter Name fremd. Was in Südfrankreich in einer esoterischen Undergroundtheatergruppe selbstverständlich  gewesen war, wirkte hier überkandidelt, selbst auf mich. Da ich meine Namensänderung brieflich angekündigt hatte, fühlte ich mich die ersten Wochen verpflichtet, auf ihr zu bestehen.  Die meisten belächelten meinen neuesten Spleen und nannten mich wie zuvor Regina, Redschi oder Boogie. Auf Boogie war ein Freund gekommen und es war nicht richtig klar, worauf er anspielen wollte, auf meinen Nachnamen oder auf meine Leidenschaft für Boogie-Woogie. Ich fand mich damit ab, dass ich nun wieder hieß wie zuvor.

Jahre später stieß ich im Ludwigsburger Alternativbuchladen „Das Schwarze Schaf“ auf ein Buch über Numerologie. Zu meiner Erleichterung erfuhr ich, dass meine Geburtstagszahl, die wirkmächtigste Zahl, die das materielle sinnliche Leben bestimmt, eine Glückszahl ist, im Zeichen Jupiters steht, das Individuelle, Ursprüngliche und Schöpferische verkörpert. Ausgeprägte Eigenarten, Eigenwilligkeit (das hatten schon meine Eltern bemängelt), Zähigkeit, Mut, Verantwortungsbewusstsein und Treue seien meine deutlichsten Eigenschaften. Ein erfolgreicher Mensch, wie geschaffen für eine Führungsposition.  Da dies durch mein Leben bis dahin  nicht so recht bestätigt worden war, zu jener Zeit lebte ich zusammen mit meinem Sohn von einer halben ABM-Stelle, forschte ich weiter und fand eine Tabelle, mit deren Hilfe man die Buchstaben in Zahlenwerte übertragen und damit den Zahlenwert des Namens berechnen konnte. In meinem Namen musste etwas verborgen sein, das meinen Erfolg sabotierte. Und ich wurde fündig! Der Zahlenwert von Regina ist 17, die Quersumme davon 8. Und acht  steht für den Planeten Saturn! Und Saturn bedeutet „schweres Karma, Läuterung durch Leid, höhere Prüfung, häufig verkannt, tapfer und kompromisslos, leiden oft unter Verfolgungen und Anfeindungen“, die natürlich vollkommen ungerechtfertigt sind. Jetzt hatte ich es. Um das Maß voll zu machen, werden die Achter von schweren Schicksalsschlägen heimgesucht, vor allem bei Verbindungen von acht und vier. Ich ahnte das Schlimmste und meine Ahnung wurde nicht enttäuscht. Mein größter Schicksalsschlag hieß Anton, war der Vater meines Sohnes und hatte die Quersumme vier. Trost spendete mir die 17, die den Venusstern symbolisiert und der wiederum verkörpert Liebe und Frieden. Allerdings ist auch diese Dimension mit Hindernissen und seelischen Leiden verknüpft, die am Ende zu echter Geistigkeit führen. Ich musste also durchhalten, um das gute Ende noch erleben zu können. Eine Hilfe auf meinem dornenreichen Weg voll Prüfungen und Leid sollte mein Nachname sein: Zahlenwert 19,  wieder eine Glückszahl unter dem Einfluss Jupiters. Und nun die spannende Frage, welchen Zahlenwert ergeben Vor- und Nachname zusammen? Ich machte mich auf Schlimmes gefasst, konnte aber nach der Lektüre aufatmen. 36 gilt als förderliche Zahl. Geistige Anstrengungen und schöpferische Leistungen lassen gute Saaten aufgehen. Damit konnte ich einverstanden sein. Etwas verstand ich aber überhaupt nicht. Meine größte Feindin hatte dieselbe Quersumme wie ich! Sowohl die Quersumme des Vornamens als auch die des Nachnamens wiesen auf hohe künstlerische Begabung hin. Da ich selten einen so wenig künstlerisch begabten Menschen wie sie erlebt hatte, beschlichen mich erhebliche Zweifel. Sollte ich diesen Zahlenspielereien wirklich trauen? Nachdem ich die Zahlenwerte der Namen meines halben Freundeskreises berechnet hatte und keine wirklich handlungsreleventen Erkenntnisse gewonnen hatte, stellte ich das Buch ratlos und verwirrt in das Bücherregel und ließ es dort die nächsten Jahre stehen.

Ich neigte wieder der Auffassung zu, dass Namen doch mehr durch ihre offensichtliche Bedeutung wirkten als durch ihre magischen, in Zahlenwerten verborgenen. Doch diese Sichtweise wurde bald erschüttert und zwar durch Gina Levold. Sie war ein Medium, das im Wassermann-Zentrum -mitten im Schwäbischen Wald – ein Seminar über Channeln anbot. Das Seminar begann Freitag abends mit einer Meditation. Ich war die Einzige, die sich vor Müdigkeit nicht mehr halten konnte. Sie deutete dies als einen Mangel an Willenskraft. Sie wusste offensichtlich nicht, wie müde man als berufstätige Mutter sein kann, wenn man seit Jahren keine Nacht durchgeschlafen hatte, weil das Kind jede Nacht heulend auf dem Schlaf auffährt und entweder nach einem ruft oder zu einem ins Bett kriecht und einem die Knie in den Bauch rammt. Trotz ihrer Missbilligung legte ich mich hin. Mein Herz, das ich mir als einen stillen, vom Mond beschienen See vorstellen sollte, wurde von süßen Nebelschwaden eingehüllt und der Mond ging unter. Als ich wieder aufwachte, berichteten alle von ihren Visionen und Erlebnissen. Mein Schlaf wurde als Widerstand gegen höhere Erkenntnisse gewertet. Gemessen an meinem bescheidenen Einkommen war es sträflich, die teuer bezahlte Seminarzeit zu verschlafen. Ich lernte nicht zu channeln, die Anderen, die wach geblieben waren, übrigens auch nicht. Jedenfalls merkte ich nichts davon. Aber ich lernte das Akrostichon kennen. Dies ist eine literarische Kurzform, bei der man die Buchstaben seines Namens untereinander schreibt und aus jedem Buchstaben ein Wort bildet. Wir schrieben unseren Namen rückwärts auf ein Blatt. Dieses Verfahren sollte uns ein Geheimnis enthüllen:

A lles

N eue

I st

G anz

E infach

R ichtig

War diese Erkenntnis nun ein enthülltes Geheimnis und 200 DM wert? Ich zweifelte.

Später schrieb ich meinen Namen in der richtigen Reihenfolge und kam zu neuen Erkenntnissen:

R eiche

E rnte

G aben die

I nsel und die

N atur, aber ich war

A allein

Oder:

R at

E iner

G uten

I rren

N aht

A bends

Mein Name enthielt anscheinend je nach Stimmung unterschiedliche Geheimnisse, aber keines führte mich zur Erleuchtung. Wäre ich bloß bei der Meditation Freitag nachts nicht eingeschlafen!

Meine Heilpraktikerin wies mich auf meinen Auftrag hin, der in meinem Namen enthalten sei: „Herrschen heißt dienen“, sagte sie und gab mir eine Affirmation, um meine spirituelle Aufgabe zu verwirklichen: „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“ Diesen Satz sollte ich so lange wiederholen, bis er tief in mein Bewusstsein eingedrungen sei und mein Handeln  bestimmte. Das Auto schien mir ein guter Ort zu sein, um diesen Satz zu üben, vor allem morgens, wenn ich auf dem Weg ins Büro zu meinem tyrannischen Chef fuhr, nachdem ich meinen eigenwilligen Sohn in die Waldorfschule gebracht hatte. Zehn Minuten allein im Auto! Niemand, der etwas von mir wollte oder der etwas ablehnte oder erschwerte, was ich wollte. Also übte ich meine Affirmation „Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe. Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe. Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe. Nicht Dein Wille, sondern mein Wille geschehe. ..“ War hier nicht etwas merkwürdig? Ich wiederholte den Satz noch einmal und achtete auf jedes Wort, das ich sagte: „Nicht Dein Wille, sondern mein Wille geschehe.“ Widerstand gegen höhere Erkenntnisse und Bewusstseinsveränderung – Gina hatte doch Recht gehabt! Allerdings muss ich zu meiner Entlastung hinzufügen, dass meine Heilpraktikerin weder einen willensstarken Sohn noch einen tyrannischen Chef hatte. Was wusste sie schon von den Herausforderungen des Lebens? Ich revidierte meine Vorbehalte gegenüber der Numerologie: Ich hatte ein schweres Karma!

Nachdem ich den Ruf meines Lehrers Pir Vilayat Inayat Khan gehört hatte und ihm gefolgt war, wurde ich mit erneut mit einer eigenwilligen  Namensgebung  konfrontiert. Die Menschen, die sich um Pir Vilayat versammelt hatten, hießen zum Beispiel. Munir, Aeoliah, Majida, Nirtan, Adil, Saki. Wie ich in den Pausen zwischen den Meditationen den Gesprächen entnehmen konnte, gaben sich die Menschen diese Namen nicht selbst, sondern sie wurden vom Meister gegeben als Unterstützung der spirituellen Entwicklung. Nun fiel ich mit meinem bürgerlichen Namen wieder aus dem Rahmen. Obwohl ich tief in mein Inneres hinein hörte, verspürte ich kein Bedürfnis nach einem neuen Namen. Regina zu verwirklichen, Herrin im eigenen Reich zu sein, war mir Auftrag und Anspruch genug. Dennoch packte mich am Ende eines der letzten Seminare Pir Vilayats auf dem Sommercamp im Tessin für einige Sekunden der Wunsch, von ihm einen Namen zu bekommen, eigentlich seinen Segen. Es war eine günstige Gelegenheit, ihm einen Augenblick lang von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten, da es erstaunlicherweise keine Anliegen mehr aus der Zuhörerschaft gab. Raube ihm nicht Zeit und Kraft durch solche Nichtigkeiten! rief ich mich zur Ordnung und ließ die Gelegenheit ungenutzt verstreichen. Das war nicht weiter schlimm, denn das Leben bietet mir reichlich Gelegenheit, mich damit auseinanderzusetzen, ob ich Herrin im eigenen Reich oder Dienerin in fremden Häusern sein will.­

Und diese Geschichte ist noch nicht zu Ende.

Über Regina Boger

Ich liebe den komischen Blick auf die Welt. Dadurch wird das Drama des Lebens keine Tragödie, sondern eine Komödie. Geschichten, die das Leben schreibt, sind oft aberwitziger, verrückter,abenteuerlcher und manchmal auch komischer als Fiktionen. Die eine Hälfte meines beruflchen Lebens verbrachte ich als Lehrerin, die andere als Beraterin für Schulentwicklung und als Theaterpädagogin. Alles, was wächst und Früchte trägt, macht mich glücklich, von Tomaten bis zu Theatergruppen.
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5 Antworten auf Regina

  1. Jürgen Ehret sagt:

    Hallo,
    wissen Sie, ob Gina Levold, die ich einmal als Medium für ein Reading kennen gelernt habe, erreichbar ist? Für eine kurze Rückantwort wäre ich dankbar.

    Schöne Grüße

    J. Ehret

    • Regina Boger sagt:

      Seit meinem Umzug 1990 habe ich keinen Kontakt mehr zu ihr. Wahrscheinlich hat sie nach Ablauf meines Nachsendeantrags Post an meine alte Adresse geschickt, die mich deshalb nicht erreicht hat. Hatten Sie noch nach 1990 Kontakt zu ihr?

  2. Waltraud Berndt sagt:

    Vorab möchte ich bemerken, dass meine Tochter auch den Namen Regina trägt, weil ich den so schön finde. Allerdings bekam das Kind noch die Namen seiner Großmütter dazu, so, wie es in unserer Familie Sitte war, und die lauteten Hedwig, Marianne – das arme Kind! Da hatte es die später geborene Tochter – vom Vater war natürlich ein Sohn (Martin sollte er heißen) auf das Heftigste gewünscht – besser, denn sie erhielt den Namen Martina – mit nix weiter dahinter.
    Jedenfalls, liebe Regina, auch ich war mit meinem Namen unzufrieden.
    Also diese zweite Silbe „traud“ hört sich für mich an, wie ein Rums, der auf dem Boden hallt – na, und dazu die Namen der Großmütter Malwine, Else …….
    Den schönsten Namen hat mir in meiner Jugend – ich mag 17 gewesen sein – ein junger Mann gegeben, den ich nur kurz kennenlernte, und der sooo gut aussah mit seinen schwarzen Haaren, blauen Augen und roten Wangen – er nannte mich „Belinda“. Ich war hin und weg – er leider auch, denn da er sich nur kurz in unserem Ort aufhielt, war er recht schnell weg.
    Nun ja, wie sagt man: „Namen sind Schall und Rauch“ und so ist es doch auch. Wichtig ist, dass wir mit dem Leben klar kommen, und zwar jeder auf seine eigene Art und Weise,- und das hast Du in Deiner Geschichte sehr anschaulich zum Ausdruck gebracht – ich habe sie mit Vergnügen gelesen!
    Danke!

    Liebe Grüße
    Waltraud

    • Regina Boger sagt:

      Liebe Waltraud,
      aus meiner Sicht hast du mit deinem Vornamen Glück gehabt. Wie gesagt, aus meiner Sicht. Ist es nicht interessant, wie sehr wir uns mit unseren Namen auseinandersetzen? Manche lieben ihren Namen und identifizeren sich mit ihm, andere hadern damit. Ich habe mich inzwischen mit meinem Namen angefreundet und freue mich, dass dir der Name so gut gefällt, dass du ihn deiner T0chter gegeben hast. Mich wundert auch immer wieder, dass Namen, die in meiner Kindheit und Jugend als altbacken galten, nun wieder sehr beliebt sind, zum Beispiel May, Paul, Friedericke, Marie. Vielleicht haben auch Hedwig, Else und Malwine noch eine Karriere auf der Beliebtheitsskala vor sich. Belinda war doch sicher ein Ausgleich, vor allem wenn er aus berufenem Munde kommt.
      Herzliche Grüße
      Regina

  3. Regina Boger sagt:

    Liebe Irina,
    wie wunderbar du meine Suchbewegungen wahrgenommen hast! Auch, dass du die Spiralbewegung erkannt hast! Wenn ich einen Prozess abgeschlossen habe, kann ich auch distanziert darüber schreiben, d.h. ohne Selbstmitleid oder Anklage. Als ich – vor Jahren – diese Erzählung geschrieben habe, musste ich selbst immer wieder lachen – über mich! Wenn ich über mich lachen kann, ist die Wunde verheilt.
    Danke für deine feine Wahrnehmung!

    Regina

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