Hoffnung ist eine Entscheidung

Essay von Daisaku Ikeda, dem Präsidenten unserer buddhistischen Glaubensgemeinschaft Soka Gakkai International

Interpretiert auf Deutsch von Stephan Rubel und vorgetragen beim inter-religiösen Dialog am Marktplatz in Ludwigsburg 

Wenn wir uns die heutige Welt anschauen, möchten wir leicht verzweifeln. Die Menschen um uns herum scheinen machtlos zu sein. Man bekommt den Eindruck, dass Entscheidungen über die wichtigsten Belange der Menschheit irgendwo außerhalb unseres Einflussbereiches getroffen werden.
Ich glaube nicht, dass Menschen machtlos sind. Der Buddhismus lehrt, dass jedes menschliche Leben die grenzenlose Kraft des Kosmos in sich trägt. Dieselbe Kraft, die das Universum bewegt, existiert auch in unserem eigenen Leben. Jedes Individuum besitzt ein immenses Potential. Ein Wandel in dieser inneren Dimension eines einzelnen Menschen hat die Kraft, eine ganze Gesellschaft zu verändern.
Mein Lehrer, Josei Toda, nannte diesen Prozess der inneren Transformation die “Menschliche Revolution”. Der innere Wandel eines Menschen zum Besseren – zu mehr Weisheit, mehr Stärke, mehr Mitgefühl – ist die erste Umdrehung eines Rades hin zur Verwirklichung eines friedlichen und erfüllten Miteinanders der gesamten Menschheit.
Wenn wir unsere innere Entschlossenheit verändern, wird sich alles in eine neue Richtung bewegen. In dem Augenblick, in dem wir einen kraftvollen Entschluss fassen, richtet sich jede Faser unseres Lebens sofort auf die Verwirklichung dieses Zieles oder Wunsches aus. Wenn wir aber denken “DAS WIRD NIE FUNKTIONIEREN”, dann fällt jede Zelle unseres Körpers in sich zusammen und gibt die Bemühung auf. In diesem Sinne ist Hoffnung eine Entscheidung. Es ist die wichtigste Entscheidung, die wir treffen können.
Hoffnung ist eine Flamme, die wir in unserem Herzen ernähren. Sie kann von einem anderen entzündet werden – durch ermutigende Worte eines Freundes, Verwandten oder Lehrers. Aber sie muss durch unsere eigene Entschlossenheit am Brennen gehalten werden. Dabei ist entscheidend, dass wir stets an die unbegrenzte Würde und die unbegrenzten Möglichkeiten unseres eigenen Lebens und des Lebens der anderen Menschen glauben.
Mahatma Gandhi bezeichnete sich als “unverwüstlichen Optimisten”. Den Glauben an das Gute in den Menschen beizubehalten und sich immer darum zu bemühen, dieses Gute in uns selbst zu kultivieren: Diese beiden Faktoren sind laut Gandhi der Schlüssel, um die große Kraft der Hoffnung zu entfesseln. An uns selbst und an andere zu glauben und immer diese schwierige innere Auseinandersetzung zu führen – und dann auch so zu handeln – dies kann die Gesellschaft verändern.
Es mag Zeiten geben, in denen wir mit der grausamen Realität konfrontiert werden und beinahe alle Hoffnung verlieren. Doch wenn wir keine Hoffnung mehr fühlen können, ist es an der Zeit, Hoffnung zu erschaffen. Das ist möglich, indem wir noch tiefer in unserem Leben graben und dort nach einem kleinen Lichtschimmer oder nach einer Lösung suchen, um diese Mauer vor uns zu durchbrechen.
Josei Toda schrieb einmal: “Großartige Persönlichkeiten in der Vergangenheit ließen sich nicht von den Schwierigkeiten und Stürmen des Lebens besiegen. Sie hielten an ihren Hoffnungen fest, obwohl ihre Hoffnungen für andere Menschen wie phantastische Träume erschienen. Sie ließen sich durch nichts davon abbringen oder entmutigen und verfolgten weiter ihre Ziele. Ich bin sicher, dass der Grund für diese Stärke darin lag, dass ihre Hoffnungen sich nicht auf persönliche Wünsche oder Eigeninteresse bezogen, sondern auf den Wunsch für das Glück aller Menschen. Dies erfüllte sie mit einer außergewöhnlichen Überzeugung und Zuversicht.”
Herr Toda wies damit auf eine sehr bedeutsame Wahrheit hin: Echte Hoffnung finden wir, wenn wir uns großen Zielen und großen Träumen widmen – Träume wie zum Beispiel:
• Eine Welt ohne Krieg
• Eine Welt ohne Gewalt
• Eine Welt, in der jeder Mensch in Würde leben kann
Jeder von uns sollte handeln und sich auf die Ziele zubewegen, an die er glaubt und die er sich gesetzt hat. Anstatt passiv die Dinge so zu akzeptieren wie sie sind, sollten wir die Herausforderungen annehmen und eine neue Realität erschaffen. Genau in diesen Bemühungen können wir echte, unsterbliche Hoffnung finden.

Autor: Herr Stephan Rubel Foto: Frau Uschi Traub

Daisaku Ikeda ist 92 Jahre alt. Er lebt als Philosoph und Schriftsteller in Tokyo.
Nam Myoho Renge Kyo. Nam Myoho Renge Kyo. Nam Myoho Renge Kyo.

Soka Gakkai

 

Über suresh

Ich bin Inder und deutscher Staatsbürger. Als patriotischer Weltbürger pendele ich zwischen beiden Heimaten und fühle mich sehr wohl dabei. Inzwischen habe ich in beiden Welten mein Zuhause gefunden. Mit Wahrem und Erlebtem aus meinem Leben schreibe ich Geschichten in meiner Muttersprache Tamil, English und gelegentlich auch in Deutsch Mein Ziel ist aber, mit unterhaltsamen Erzählungen zur interkulturellen Völkerverständigung beizutragen, auch um Missverständnisse möglichst auszuräumen. Ich denke "Ethik ist eingebaut - Religion ist eingebracht" 'Connecting Cultures' ist meine Aufgabe. 'Helfe um geholfen zu werden' ist mein Motto.
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Eine Antwort auf Hoffnung ist eine Entscheidung

  1. Felix Walz sagt:

    Zu der genannten Transformation/Metamorphose der Menschheit gibt es ein bekanntes Zitat aus Anne Franks Tagebuch, das man nicht oft genug wiederholen kann:

    „Warum gibt es jeden Tag Millionen an Geld für den Krieg und keinen Cent für die Heilkunde, für die Künstler, für die armen Menschen? Warum müssen die Menschen Hunger leiden, wenn in anderen Teilen der Welt die überflüssige Nahrung wegfault? Oh warum sind die Menschen so verrückt? Ich glaube nicht, dass der Krieg nur von den Großen, von den Regierenden und Kapitalisten gemacht wird. Nein, der kleine Mann ist ebenso dafür. Sonst hätten sich die Völker doch schon längst dagegen erhoben! Im Menschen ist nun mal ein Drang zur Vernichtung, ein Drang zum Totschlagen, zum Morden und Wüten, und solange die ganze Menschheit, ohne Ausnahme, keine Metamorphose durchläuft, wird alles, was gebaut, gepflegt und gewachsen ist, wieder abgeschnitten und vernichtet, und dann fängt es wieder von vorn an.“ — Anne Frank

    Referenz: https://beruhmte-zitate.de/autoren/anne-frank/schonste/

    Wir alle, du und ich, sind diese Metamorphose, wenn wir es wollen – Amen!

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