Hinduistische Werte und Normen

_/\_ Namaskaram _/\_

Hinduistische Werte und Normen

Der Kern der Religion oder Weltanschauung ist  Spiritualität.

Die indische spirituelle Denkweise, bekannt als Hinduismus, ist die  Weltanschauung der Hindus und wird „Sanatana Dharma“ genannt – die ewige Ordnung, dabei erheben die Hindus keinen  Absolutheitsanspruch für diese Art von Denken.

Sanatana Dhama beschreibt das Göttliche Prinzip ‚Atman‘, im Allgemeinen wird es als Seele interpretiert. Der Atman lebt  in jedem Wesen auch in Tieren und Pflanzen. Der Körper stirbt irgendwann aber die Seele nie und die Seele kennt keine Zeit oder Raum.

Eine Art Evangelisierung gibt es im Hinduismus nicht, es wird nicht missioniert denn andere Religionen haben die gleichen ethischen Grundwerte in ihren Regionen und Kulturen, daher gibt es keine Notwendigkeit zu konvertieren. Es sind unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel.

Ein wichtiger Wert im Hinduismus ist die Akzeptanz und Respekt vor anderen Religionen und die Achtung religiöser Stätten aller Religionen.  Für uns Hindus sind christliche Kirchen, Moscheen und Synagogen ebenso wie hinduistische Tempel heilige Orte. Denn an allen religiösen Stätten ist Gott oder das Göttliche gegenwärtig. Zahlreiche Hindus besuchen auch christliche  Wallfahrtsorte, wie Marienweiher, Altötting, Velankanni.

Heute leben wir auf der Erde, in unserem Sonnensystem, in der Milch-Galaxie, aber dann wissen wir es nicht mehr so genau, wo wir uns im Universum befinden. Mit unserem Vorstellungsvermögen schaffen wir es nicht das Universum zu verstehen.

Dieses uns unvorstellbare Universum bezeichnen wir als die Göttlichkeit. Diese Kräfte und Energien im Universum verehren wir in Dankbarkeit als Götter und Göttinnen oder Gottheiten.

Fast alle Religionen haben eine feste Struktur: ein Gott, ein Prophet, eine heilige Schrift, ein vorgeschriebener Weg, ein Glaube und ein Glaubensbekenntnis.

Der Hinduismus hat keinen Gott oder Propheten, wie es bei anderen Religionen üblich ist, wir Hindus sprechen von der Göttlichkeit ‚Ekam‘, das allumfassende ‚Eine‘, Synonym für Gott, die ‚höchste Einheit‘, aus der das Universum entstanden ist.

Wir haben die Freiheit, diese Göttlichkeit des Universums in verschiedene Moorthis (Arten) und Wigraha (Figuren) zu sehen. Es gibt keine Statistik, die die Anzahl der Götter oder Göttinnen in Zahlen erfassen kann. Gelegentlich werden große Zahlen genannt um die Unzählbarkeit zu erklären.

Es ist nicht einfach aber für das westliche Verständnis versuche ich die indische Götterwelt zu erklären.

Gott Brahma ist der Schöpfer und seine Gemahlin Saraswathi ist die Göttin des Wissens.

Gott Vishnu ist der Erhalter des Kosmos oder Universum, seine Gemahlin Lakshmi ist die Göttin des Wohlstands und Reichtum.

Gott Shiva bringt Ordnung im Kosmos, Er wird meist fälschlicherweise als Vernichter dargestellt. Seine Gemahlin ist Parvathi auch Shakthi genannt, sie ist die Göttin der Kraft und Mut. Shiva und Parvathi haben zwei Söhne Ganesha und Muruga. Ganesha mit dem Elefantenkopf ist eine Art Adaptivsohn.

Es gibt unzählige Geschichten die das Leben mit Freude, Leid, Pflichten und Rechten erklärt.

Spirituell betrachtet ist Shiva – das was nicht ist und Shakti – das was ist. Zusammen bilden sie eine Einheit, die wir das Kosmos oder das Universum nennen.

Vasudhaiva Kutumbakam. Wir Hindus betrachten die ganze Welt als eine Familie.

Eine der Grundwerte im Hinduismus ist  Gewaltlosigkeit.  Dieses Jahr haben wir den 150. Geburtstag Mahatma Gandhis gefeiert. Wie Sie wissen praktizierte er Ahimsa. Ahimsa bedeutet ‚Nicht verletzen, Nicht Töten‘ und somit Gewaltlosigkeit. Er befreite Indien von den Machthabern, ohne Gewalt anzuwenden.

Mit einer seiner Lieblingslieder sang er „Ragupathy Raghava Raja Ram, Ishwara, Allah there naam“.  Ishwara oder Shiva und Allah sind deine Namen.

In zahlreichen heiligen hinduistischen Schriften, wie Bhagavad Gita und Ramayana werden Werte wie Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Partnerschaft, Gewaltlosigkeit, Ehrlichkeit, usw. beschrieben, die als Anleitungen zum Leben dienen.

Bhagavad-Gita ist eine der vielen heiligen Schriften, auch der Gesang des Erhabenen genannt.  Darin beantwortet Krishna die Fragen des Prinzen Arjuna, erklärt ihm unteranderem was Karma und Dharma bedeuten und den Sinn des Lebens mit vielen Beispielen.

Krishna empfiehlt ihm, auch alles zu hinterfragen und selbst zu entscheiden, ob er die Anleitungen anwenden möchte. Dass jeder Mensch, ob Lehrer, Schüler, Ehemann, Ehefrau, Kind eine Pflicht hat zu erfüllen, auch dann wenn man dafür keinen Lohn oder Lob erntet. Tue deine Pflicht auch wenn die Anderen ihre Pflichten vernachlässigen, ist die Botschaft.

Die meisten dieser Schriften sollen einige Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung entstanden sein¹.

Krishna und Buddha werden als Avatar von Gott Vishnu bezeichnet. Es ist die Göttlichkeit,  die in Form eines Wesens erscheint. Diese Göttlichkeit ist das Universum selbst.

Es gibt Gurus, die uns die alten Schriften erklären und uns anleiten, so wie wir unseren Kindern, die als Gäste auf diese Welt kommen, die Regeln erklären.   

Es gibt viele Wege, um an das Göttliche zu gelangen. EKAM

Die Vorstellung, dass es einen Himmel und die Hölle geben soll, haben wir Hindus nicht. Auch den Begriff „gottesfürchtig“ kennen wir nicht. Das Göttliche ist allgegenwärtig, es ist in uns und überall, daher gibt es keinen Grund, es zu fürchten.

Die Hindus suchen ihren eigenen Weg, manchmal ist er lang, für manche ist der Weg kurz, sehr kurz, wenn man dort angekommen ist, wird man meist feststellen, dass man dort schon immer war.

Wir benutzen das Wort Sünde nicht im gleichen Kontext wie bei anderen Religionen, sondern nennen es ‚Paavam‘. Eine Sünde ist einem anderen bewusst Schaden zufügen um für sich Vorteile zu verschaffen.

Dharma ist die Eigenschaft wie das Pflichtgefühl, die Rechtschaffenheit, Verantwortung und Ehre. Wenn Dharma nicht befolgt wird, nennen wir es ‚Adharma‘, dies führt zu ‚Paavam‘. Wenn der Verursacher nichts unternimmt, um seine ‚Adharma‘ Taten zu bereinigen, wird er die Konsequenzen tragen müssen. Dann könnte etwas passieren, wodurch er unglücklich wird.

Wenn es in diesem Leben nicht gelingt, wird man wiedergeboren. Irgendwann jedoch, wenn alles verstanden ist, wird man von diesem Kreislauf des Lebens befreit und gelangt ins Moksha.

Wenn wir unsere Gedanken ordnen wollen, praktizieren wir Dhyana, es wird häufig als Meditation übersetzt, es ist aber mehr als das. Um gute Gesundheit zu erhalten, praktizieren wir Yoga. Das beginnt mit Pranayama, eine bestimmte Atemtechnik. Manchmal wird beim Dhyana ein Mantra rezitiert, um bei den Übungen in Takt zu bleiben.

Maathaa Pithaa Guru Dhaivam
Die Bedeutung dieses Sprichworts ist die größte Wahrheit und ist die Reihenfolge, in der man Ehrfurcht erweisen sollte.

Zuerst kommt die Mutter (Matha), die uns als Kind in diese Welt bringt. Als nächstes kommt der Vater (Pitha), denn es ist die Mutter, die uns zum Vater weist. Mutter und Vater bringen uns dann zum Lehrer oder Mentor (Guru), und der Guru weist uns durch seine Lehren auf das Göttliche im Leben (Dhaivam) hin. Hier repräsentiert Dhaiva das Bewusstsein oder die Selbstwahrnehmung oder unser wahres Selbst.

Viele dieser Wörter haben ihren Ursprung in den Sprachen Tamil oder Sanskrit. Die meisten Wörter können selten in anderen Sprachen präzise übersetzt werden, dadurch werden sie häufig missverstanden.


Zusammen gestellt von Suresh Subramaniya SURESH für Ganesha Tempel, Stuttgart
¹Anhand der Sternenkonstellationen, die in den hinduistischen Schriften verzeichnet sind und die Beschreibungen der Landschaften und Flüsse, lässt sich die Zeit der Entstehung der Schriften datieren.

    

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Über suresh

Ich bin Inder und deutscher Staatsbürger. Als patriotischer Weltbürger pendele ich zwischen beiden Heimaten und fühle mich sehr wohl dabei. Ich habe inzwischen in beiden Welten mein Zuhause gefunden. Mit Wahrem und Erlebtem aus meinem Leben schreibe ich Geschichten in „Migranten-Deutsch“. In reinem, ganz fehlerfreiem Deutsch zu schreiben, habe ich noch nicht gelernt, es fällt mir schwer. Mein Ziel ist aber, mit unterhaltsamen Erzählungen zur interkulturellen Völkerverständigung beizutragen, auch um Missverständnisse möglichst auszuräumen. Wenn ich dadurch bei den Lesern Friede und Freude erzeugen kann, dann bin ich zufrieden. Die Eierkuchen müssen sie schon selbst backen ;-) Ich denke "Ethik ist eingebaut - Religion ist eingebracht" 'Connecting Cultures' ist meine Aufgabe. 'Helfe um geholfen zu werden' ist mein Motto.
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