Hinduismus – eine Religion ?

Namaskaram – Grüß Gott!

Der Hinduismus, auch „Sanatana Dharma“ genannt (das ewige Gesetz des Universums), beschreibt das Göttliche Prinzip Atma, auch Seele genannt, die in jedem von uns existiert. Beim Gruß mit Namaskaram achtet und ehrt die Seele einer Person die Seele einer anderen Person.

Hinduismus bzw. Sanatana Dharma ist eine integrale (ganzheitliche) Denkweise, eine innere Haltung, eine Lebenseinstellung. Laut Wissenschaftler, soll sie vor Jahrtausenden entstanden sein. Im Gegensatz zu anderen Religionen, sitzt der Gott im Hinduismus nicht im Himmel, außerhalb unseres Kosmos, sondern das ganze Universum ist das Göttliche, somit überall und auch in uns selbst.
Ich bin also ein ‚Sanatani‘, ein Befolger des Sanatana Dharma, sagte ich einmal. Was Sie sind ein Satanist? fragte mich jemand! Nein, einen Satan haben die Inder nicht erfunden.

Fast alle Religionen haben eine feste Struktur: einen Gott, einen Propheten, eine heilige Schrift, einen vorgeschriebenen Weg und einen festen Glauben.
Der Hinduismus ist eine Lebensart und hat keinen Gott oder Propheten, wie es bei anderen Religionen üblich ist. Wir Hindus sprechen von der Göttlichkeit. Wir haben die Freiheit, diese Göttlichkeit des Universums in verschiedene Moorthis (Arten) und Wigraha (Figuren) zu sehen. Es gibt keine Statistik, die die Anzahl der Götter oder Göttinnen in Zahlen erfassen kann. Die kolonialen Besatzer von damals pflegten zu erzählen, dass die Inder 333 Millionen haben oder waren es Milliarden Götter ? 😉

Im Hinduismus gab und gibt es auch keinen Propheten, der uns vorschreibt, wie wir zu beten haben oder was wir verehren sollen. Das kollektive Wissen, genannt Shastra, Veda und Gita der alten Inder, die in unzähligen Erzählungen und Schriften beschrieben sind, geben Anleitungen, Anregungen und Empfehlungen zum Leben. Dann kommen Gurus und Avataras und erklären dieses komplexe Wissen in einfacher Sprache mit Beispielen für alle Bereiche des täglichen Lebens.

Es ist viel zu einfach Hinduismus als eine Religion zu bezeichnen, es ist mehr als das.

Abhishegam : die heilige Waschung der Wigraha (Göttliche Figur, hergestellt aus mehreren Kräutern oder Hölzern, Edelmetallen oder Edelsteinen). Man trinkt das gewonnene heilige Wasser, das die Essenzen der Kräuter, Edelmetalle etc. beinhaltet.

Eine Art Evangelisierung gibt es im Hinduismus nicht, daher wird auch nicht missioniert. Die Vielfalt der spirituellen Wege anderer Völker wird anerkannt und akzeptiert. Inder essen gerne Gemüsecurry, aber auch Pizza. Vor allem vegetarisches Essen wird empfohlen und die Tötung eines Wesens soll grundsätzlich vermieden werden.

Bhagavad-Gita ist eine der vielen heiligen Schriften, auch der Gesang des Erhabenen genannt. Darin beantwortet Krishna, die Fragen des Prinzen Arjuna, erklärt ihm, was Karma, Dharma bedeutet und den Sinn des Lebens mit vielen Beispielen.

Krishna empfiehlt ihm auch, alles zu hinterfragen und selbst zu entscheiden, ob er die Anleitungen anwenden möchte. Die meisten dieser Schriften sollen einige Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung entstanden sein. Wie konnten die Wissenschaftler diese Schriften datieren? ¹

Krishna und Buddha werden als Avatar von Gott Vishnu bezeichnet. Es ist die Göttlichkeit in Form einer Person oder eines Tieres, die wie ein Mensch lebt und leidet, dabei das gute lehrt und den richtigen Weg zeigt. Aber es wird nicht befohlen, diesen Weg zu beschreiten, denn die Entscheidung muss der Mensch selbst treffen.

Es gibt Gurus und Gelehrten, die uns die alten Schriften erklären und uns anleiten, so wie wir unseren Kindern, die als Gäste auf diese Welt kommen, die Regeln erklären.

Es gibt auch keinen festen Weg, um an das Göttliche zu gelangen. Die Hindus suchen ihren eigenen Weg, manchmal ist er lang, für manche ist der Weg kurz, sehr kurz, wenn man dort angekommen ist, wird man meist feststellen, dass man dort schon immer war.

Der Hinduismus ist kein Glaube und die Hindus haben auch kein Glaubensbekenntnis, wozu auch!

Es ist vielmehr ein Versuch, sich das Unvorstellbare vorzustellen. Wenn es in diesem Leben nicht gelingt, wird man wiedergeboren. Irgendwann jedoch, wenn alles verstanden worden ist, wird man von diesem Kreislauf des Lebens befreit und gelangt ins Nirwana.

Die Vorstellung, dass es einen Himmel und die Hölle geben soll, haben die Hindus nicht. Auch den Begriff „gottesfürchtig“ kennen wir nicht. Das Göttliche ist allgegenwärtig, es ist in uns und überall, daher gibt es keinen Grund, es zu fürchten.

Tempel sind keine Gebetshäuser, sondern ‚Dewaalaya‘, heilige Orte für die Götter.

Ein Hindu bittet die Götter auf der Wigraha (Figuren oder Abbildungen) zu erscheinen, damit er konzentriert eine innere Verbindung aufnehmen kann.

An besonderen Ereignissen zünden wir Öllampen oder Kerzen an und betrachten das Feuer als ‚Agni Dewa‘ (das Göttliche Feuer). Dieses Feuer pusten wir nicht aus, sondern schwenken es mit einem Fähnchen aus. Ein Auspusten wäre, das Feuer während des Rituals zu beschmutzen.
Beim Anzünden des Göttlichen Feuers, sagen wir ‚Thamasoma Jyotirgamaya‘. Das bedeutet, führe mich aus der Dunkelheit ins Licht.

Dharma ist die Eigenschaft wie das Pflichtgefühl, die Rechtschaffenheit, Verantwortung und Ehre. Wenn Dharma nicht befolgt wird, nennen wir es ‚Adharma‘, dies führt zu ‚Paavam‘. Wenn der Verursacher nichts unternimmt, um seine ‚Adharma‘ Taten zu bereinigen, wird er die Konsequenzen tragen müssen. Dann könnte etwas passieren, wodurch er unglücklich wird.

Wir benutzen das Wort Sünde nicht im gleichen Kontext wie bei anderen Religionen, sondern nennen es ‚Paavam‘, ein Fehler, den man wiedergutmachen sollte. Wenn es jedoch nicht gelingt, dann sollte man sich selbst bestrafen bzw. büßen.

Wenn wir unsere Gedanken ordnen wollen, praktizieren wir Dhyana, es wird häufig als Meditation übersetzt, es ist aber mehr als das. Um gute Gesundheit zu erhalten, praktizieren wir Yoga. Das beginnt mit Pranayama, eine bestimmte Atemtechnik. Manchmal wird dabei ein Mantra rezitiert, um bei den Übungen in Takt zu bleiben.

Maatha Pitha Guru Dhaivam
Dieses Sprichworts ist von großer Bedeutung und man sollte es mit Ehrfurcht aussprechen.

Zuerst kommt die Mutter (Maatha), die uns als Kind in diese Welt bringt. Als nächstes kommt der Vater (Pitha), denn es ist die Mutter, die uns zum Vater weist. Mutter und Vater bringen uns dann zum Lehrer oder Mentor (Guru), und der Guru weist uns durch seine Lehren auf Gott (Dheiwam) hin. Hier repräsentiert Gott das Bewusstsein oder die Selbstwahrnehmung oder unser wahres Selbst.

Viele dieser Wörter haben ihren Ursprung in den Sprachen Tamil oder Sanskrit. Die meisten Wörter können selten in anderen Sprachen übersetzt werden,  dadurch werden sie häufig missverstanden.

¹Anhand der Sternenkonstellationen, die in diesen Schriften verzeichnet sind und die Beschreibungen der Landschaften und Flüsse, lässt sich die Zeit der Entstehung der Schriften datieren.

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