Der Geheimcode der indischen Hausierer …

Wenn ich in Indien bin, begegne ich fast täglich einem der Schreier, so wie die Hamburger Marktschreier. Allerdings kommen diese Hausierer an jede Haustür und preisen ihre Waren lauthals an. Dabei erwähnen sie zwar, was sie anbieten, dennoch scheinen sie einen Geheimcode zu haben. Denn jeder hier versteht es, nur ich nicht. Neulich kam ein Hausierer und schrie Kieerai, keerah, kieerahH. Kierai.

Auf Tamil ist es ein Sammelbegriff für alle möglichen Spinatsorten. Ich war in der Küche und gerade dabei, ein neues Rezept auszuprobieren. Neugierig ging ich hinaus und fand einen älteren Herrn, um die siebzig rum, auf einem Fahrrad sitzend. Er hatte einen weißen Turban auf seinem Kopf und sah mich fragend an. Ich sah aus seinem Fahrradkorb rote und grüne Salatblätter quellen. Also in Malayalam heißt es auch ‚Kierai, stellte ich fest. Ich kann zwar einigermaßen Malayalam, aber beherrschen tue ich es nicht. 

‘Nokkattu’, sagte ich zu ihm. Das heißt ‘lassen Sie mich das erstmal näher anschauen‘. Er übergab mir frische, direkt aus dem Feld gepflückte, wunderbare grüne und rote Salatblätter, schön mit einem Faden gebunden, der aus den Bananenstauden hergestellt wurde. Ich begutachtete die Salatbunde und schaute ihn fragend an. Daraufhin nannte er mir den Preis. Ich hatte kein Geld zur Hand, also ging ich ins Haus, um Geldscheine zu holen. Erst auf dem Weg dorthin dachte ich über den genannten Preis nach und stutzte. Ich kam mit der gewünschten Summe zurück und fragte ordnungshalber: ‘Eththara?’ (Wieviel?) Seine Antwort war dieselbe, ich übergab ihm das Geld und kehrte nachdenklich in die Küche zurück, denn die Summe, die er verlangte, war um ein Vielfaches günstiger als bei uns in Deutschland.

Ein anderes Mal kam ein Schreier auf dem Mofa und wollte Gemüse und sonstiges unnützes Zeug loswerden. Sein Ton und Verhalten gefielen mir nicht, also kaufte ich nichts. Meine Nachbarin aber war voll in ihrem Element und verhandelte lautstark und mit vielen Gesten mit ihm. Ich glaube, es hat ihr richtig Spaß gemacht.

Dann kam am darauffolgenden Tag ein Hausierer, der mich beeindruckte. Dieser kam auf einem Motorrad geritten und schrie ‚päpper, päpper, Pepper Pepper PÄHpper’. Er hatte eine Holzbox mit Deckel auf seinem Motorrad und ich konnte seine Waren nicht sehen. Wie gewohnt, sagte ich zu ihm: ‘Nokkattu’
Sein Blick verriet, dass er nicht verstand, was ich wollte, also ergänzte ich meine Frage und sagte: ‘Kaanikanum illae’Sinngemäß heißt das ‚Sie sollen es bitte zeigen, was sie mir verkaufen wollen‘. 

Er antwortete kurz:  ‘Verkaufen? Ich will kaufen, Ihr Altpapier, Altglas, altes Geschirr’.

?

Habe ich es Euch nicht gesagt, eindeutig ein ‚Geheimcode‘.

Über suresh

Ich bin Inder und deutscher Staatsbürger. Als patriotischer Weltbürger pendele ich zwischen beiden Heimaten und fühle mich dabei sehr wohl. Ich versuche, in beiden Welten mein Zuhause zu finden. Mit Wahrem und Erlebtem aus meinem Leben schreibe ich Geschichten in „Migranten-Deutsch“. In reinem, ganz fehlerfreiem Deutsch zu schreiben, habe ich noch nicht gelernt, es fällt mir schwer. Mein Ziel ist aber, mit unterhaltsamen Erzählungen zur interkulturellen Völkerverständigung beizutragen, auch um Missverständnisse möglichst auszuräumen. Wenn ich dadurch bei den Lesern Friede und Freude erzeugen kann, dann bin ich zufrieden. Die Eierkuchen müssen sie schon selbst backen ;-) 'Connecting Cultures' ist meine Aufgabe. 'Helfe um geholfen zu werden' ist mein Motto.
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