Handwerker in Indien, eine herausfordernde Erfahrung

Vieles geht mir durch den Kopf, vor allem aber die letzten Sachen, die noch erledigt werden sollen bevor ich nach Deutschland zurück fliege. Aber ich bin zufrieden, die meisten Arbeiten oder Projekte, mein Haus betreffend, insbesondere Instandhaltung, sind erledigt. Ich hatte Glück mit manchen Handwerkern, bei manchen ‚kämpfe‘ ich noch, aber freundlichst. Diese Handwerker-Gesellen behaupten doch seelenruhig, dass sie mir die besten Arbeiten abliefern und ich solle bitte dankbar sein! Vor allem sind sie überzeugt von dem, was sie da behaupten. Manchmal denke ich, dass sie sich wirklich Mühe geben, auch deshalb, weil ich ein paar Rupien mehr als üblich gebe und sie sehr gut behandele. Ich kochte sogar Chai für sie, was sie sehr sonderbar fanden, dass der Boss ihnen etwas bringt, anstatt sie anzubrüllen und zur Arbeit zu zwingen.

Ich kann Euch Stories erzählen, was ich da so mit den Handwerkern erlebe. Die Holztür zum Bad zum Beispiel war völlig in Ordnung, bis die Carpenter kamen. Die kommen meist zu zweit und auch den Handlanger muss ich bezahlen!

Der Painter Kumar mag Kattu Kappi, also schwarzen Kaffee. Ich sage ihm, dass ich keinen Kaffee mehr habe (meine Freunde, die neulich bei mir übernachteten, tranken Kaffee wie Bier und nun habe ich keinen mehr, dafür habe ich Bier in 1,5 Liter Flaschen).
Kaffee trinke er seit langem nicht mehr, aber Kattu Kappi, sagt er zu mir. Also frage ich ihn, was denn Kattu Kappi sei. Er schaut mich unglaublich an und sagt: >>Schwarzer Tee ohne Milch und Zucker.<<
Ja, nun weiß ich es auch.

Sein Kumpan, wie er heißt, habe ich vergessen, redet nicht viel und murmelt irgendetwas, wenn man ihn fragt, aber beide sind tüchtige erfahrene Maler, da kann man nichts sagen. Dieser will Zucker, nicht nur einen Löffel, sondern drei und die indischen Löffel kennen keine DIN-Norm, sie sind so zwischen Tee- und Esslöffel groß.

Die Carpenter-Gesellen schütteln den Kopf, also wollen sie Chai haben, aber als ich sie weiter frage, wieviel Löffel Zucker sie haben möchten, sagen sie nein, sie wollen keinen Chai. Es war also ein Missverständnis.

Der Carpenter soll lediglich ein Kleiderregal im Schlafzimmer einbauen. Ich habe mehrere solche in Deutschland gebaut und würde mich als Experte für Regalbauer bezeichnen. Es ist so einfach, man gehe in den Obi, Gang sieben, rechts oben sind die Pressspanplatten. Zweimal rechts gibt’s Schrauben, Dübel und so Zeug. Man schneide sie mit der Kreis- oder Stichsäge, dann zimmert man sie zusammen. Das war‘s.

Die Planung und das Einkaufen sind eine der schönsten Entspannungstätigkeiten eines Mannes. Wir Männer wissen, dass die Frauen es nicht verstehen und nicht zu schätzen wissen. So wollte es der Gott halt und er versteht uns Männer ;-))) Es gibt Ausnahmen, meine Damen, ja, ich kenne eine, die blüht richtig auf, wenn sie Baumarktgeruch wahrnimmt. Denn sie wuchs mit ihrem Bruder auf. Die Hübsche zweifelt manchmal, ob sie wirklich der weiblichen Spezies angehört.

Mein Carpenter brachte also, ohne es mit mir abzusprechen, seinen Handlanger mit und ich darf ihn auch bezahlen. Also, es muss schnell gehen, schließlich sind die ja nicht im Urlaub, aber ich. Ich hätte den ‚Shelf‘ an einem Tag fertiggestellt, aber die beiden Handwerker haben zwei volle Tage gebraucht. Zufrieden war ich trotzdem nicht, denn das obere Brett aus Plywood (Pressspannplatten) hatte einen Bauch bekommen. Wie sie das fertiggebraucht haben, verstehe ich noch nicht. Aber als das Regal etwas zu breit war, klopften sie den Schrank so zurecht, dass die Tür zum Bad auch einen Bauch bekam! Nun kam der Maler und wollte die Badzimmertür zurechtrücken, dabei beschädigte er eine Fliese. Die Handwerker mussten wieder ran und als sie die bereits verrückte Tür nochmals zurechtrückten, fielen zwei Fliesen von der Wand, weil die Fliesenleger damals gepfuscht haben. Ein Drama sage ich Euch.

Interessant war, dass der Tischler-Geselle Renjith sagte, was für ein Glück es doch sei, dass die Fliesen auf seine Füße fielen und nicht auf die meinen, denn sie wären garantiert früher oder später auf meine Füße gefallen. Sollte ich doch dankbar sein, nicht wahr! Renjith wird bestimmt nicht nur ein Tischler, sondern auch ein Philosoph, später, irgendwann.

Painter Kumar wollte zunächst klammheimlich die Sache mit der Fliese unter den Teppich kehren, aber ich habe keinen Teppich, wie Ihr wisst. Er wollte, aber dann war so viel los und dauernd kam irgendetwas dazwischen usw. Ich kann ihn nicht rügen, denn er ist ein guter Maler und ich brauche ihn für die kommenden Tage auch noch.

Per Whatsapp kam die Message einer Bekannten mit folgendem Inhalt:
Whatever happens in life, just relax and try to manage with a smile.
Life is not a problem to solve, it’s a gift to get experience.

Über suresh

Ich bin Inder und deutscher Staatsbürger. Als patriotischer Weltbürger pendele ich zwischen beiden Heimaten und fühle mich dabei sehr wohl. Ich versuche, in beiden Welten mein Zuhause zu finden. Mit Wahrem und Erlebtem aus meinem Leben schreibe ich Geschichten in „Migranten-Deutsch“. In reinem, ganz fehlerfreiem Deutsch zu schreiben, habe ich noch nicht gelernt, es fällt mir schwer. Mein Ziel ist aber, mit unterhaltsamen Erzählungen zur interkulturellen Völkerverständigung beizutragen, auch um Missverständnisse möglichst auszuräumen. Wenn ich dadurch bei den Lesern Friede und Freude erzeugen kann, dann bin ich zufrieden. Die Eierkuchen müssen sie schon selbst backen ;-) Ich denke "Ethik ist eingebaut - Religion ist eingebracht" 'Connecting Cultures' ist meine Aufgabe. 'Helfe um geholfen zu werden' ist mein Motto.
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2 Antworten auf Handwerker in Indien, eine herausfordernde Erfahrung

  1. Mischa sagt:

    Hallo Suresh,

    interessante Geschichte, ist uns erst kürzlich ähnlich ergangen, hier in Ludwigsburg bei der Sanierung unseres Badezimmers. Wir fragen uns bis heute, wie es passieren kann, dass Fachkräfte mit Berufserfahrung teilweiße schlimmere Ergebnisse abliefern, als wenn wir Leihen selbst die arbeiten erledigen. Es ist und bleibt mir ein Rätsel.

    Was wir gelernt haben ist, dass wir nie wieder “blind” Handwerker beauftragen werden, sondern lediglich auf Basis persönlicher Empfehlungen / Erfahrungen. Außerdem haben wir seit her alle weiteren Renovierungen tatsächlich selbst vorgenommen.

    • Suresh sagt:

      Hallo Mischa,
      es scheint ein internationales Phänomen zu sein !
      Selbst ist der Mann, ich meine natürlich auch die Frau ;-)
      Herzliche Grüße

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